14/04 Rede Landesvertreter*innen-Versammlung

 

 

5./6. April 2014

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Vertreterinnen und Vertreter, werte Gäste,

„Als Ägypten unterging, waren drei Prozent der Bevölkerung im Besitz von siebenundneunzig Prozent des Reichtums. Babylon blühte. Die größte Stadt der Welt. Als Babylon unterging, gehörte zwei Prozent der Bevölkerung alles, was da war. Als Rom zerfiel, teilten sich achtzehnhundert Menschen in den ungeheuren Bodenbesitz dieses Reiches. Der Untergang der Kulturvölker wurde durch Gesetze herbeigeführt, die alle Reichtümer in die Hände von wenigen brachten.“

Und heute schicken wir uns wieder an, derlei Verhältnisse zuzulassen, gar zu befördern, weil alles dem Wachstums- und Wirtschaftsdiktat untergeordnet ist und die Menschen sich allmählich daran gewöhnen, es hinnehmen, sich nicht mehr empören, sich ins Private zurückziehen, nicht mehr wählen gehen, aber die Börsennachrichten hören, welche uns überall um die Ohren gehauen werden, obwohl gerade einmal 10% der Bevölkerung im Besitz von Aktien sind.

Der falschen, einer Zweck-, einer für die Wirtschaft nützlichen Individualisierung, wird Vorschub geleistet und gemeinschaftliches Denken gerät in den Hintergrund, viele fallen aus dem Rahmen gesellschaftlicher Teilhabe. Es ist doch ein Unding, dass unsere Gesellschaft, welche mit unglaublichen Reichtümern hantiert, außerstande sein soll, der Mehrheit eine verlässliche Existenzgrundlage und Zukunftsperspektiven zu sichern. Die Schere spreizt sich weiter denn je, das von der Masse produzierte Vermögen kommt diesen immer weniger zu Gute, Reichtümer sammeln sich in den Händen von wenigen. Verteilen wir endlich um.

Minijobs, Leiharbeit, Werkverträge, unbezahlte Praktika, Billiglohnland Sachsen, der Niedriglohnstrategie der CDU/FDP-Staatsregierung folgt die hohe Armutsquote. Zwei, gar drei Jobs um über die Runden zu kommen und um nicht Bittsteller beim Amt zu werden.

Hartz IV, Hartz IV-Aufstocker, Rentnerinnen und Rentner, deren Rente zum Leben nicht reicht. Was ist hier eigentlich los?
Dass zur Bewältigung unserer Probleme, die künstlich geschaffen sind von einem System, welches immer wieder neue Krisen generiert und generieren wird, nur noch begriffliche Mittel betriebswirtschaftlicher Rationalität zur Verfügung stehen, ist ein Armutszeugnis. Andere Lösungsansätze, neue Denkansätze müssen her. Es bedarf einer neuen Aufklärung. Der relativen Verelendung der Massen muss entschieden begegnet werden. Also Bildung, Bildung, nochmals Bildung, kostenlos für alle von Anfang an bis zum Schluss. Aber nicht nur, ich nenne es immer – wirtschaftskonformes Exceltabellen-Denken braucht es, sondern auch politische, demokratische Bildung, die Bildung des Herzens, die Vermittlung von gemeinschaftlichen Werten wie Moral, Ethik, Solidarität und humanes Handeln, denn nur sie erhalten und schaffen Frieden, gern würde ich hier zukünftig Conny Falken unterstützend zur Seite stehen.

Liebe Vertreterinnen und Vertreter,

mein Name ist Franz Sodann, ich bin 40 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Kinder. Ich bin in Leipzig geboren, aufgewachsen dafür kann ich nichts.

Seit 16 Jahren bin ich Schauspieler, vor sieben Jahren habe ich mich mit einer Agentur für Theatergastspiele und Lesungen selbständig gemacht. In der letzten Legislatur arbeitete ich zudem als freier Mitarbeiter in der Bundestagsfraktion, dort habe ich Veranstaltungen konzipiert und aufgeführt, meist mit Politikern unserer, aber auch anderer Fraktionen, sowie weiterer Prominenter, darunter Ch. Hein. D. Dahn. F. Schorlemmer, J. Augstein, U. Steimle. Derzeit bin ich als Schauspieler an der NEUEN BÜHNE Senftenberg engagiert.

Sachsen kann sich dem Zeitgeist mit seinen Problemen nicht entziehen. Dort, wo es Arbeit gibt, ziehen die Leute hin, in die Städte. Und das Land blutet aus, dort hapert es im Gesundheits-, Bildungs- und Kulturbereich. Darum muss unser verstärktes Augenmerk den ländlichen Regionen gehören. „Gesundheit, Bildung und Kultur auf´s Land!“ dafür möchte ich mich einsetzen.

Dass Kultur auf dem flachen Land funktioniert, sogar dringend gewollt wird, kann ich an einem kleinem Beispiel belegen: Staucha, Theater in der Bibliothek meines Vaters: schwere Stücke, nicht sonderlich bekannte Schauspieler, dennoch immer gut besucht. Kultur ist ein Bedürfnis, Bildung und Gesundheit sind Grundrechte, welche wir keinem vorenthalten dürfen. Lassen wir die ländlichen Regionen nicht hängen, unterstützen wir sie.

Ich will mich aufregen, will mich empören, ich ertrage Dinge nicht mehr. ich will nicht hinnehmen, dass das, was uns derzeit umgibt, der Weisheit letzter alternativloser Schluss sein soll, ich will nicht hinnehmen, dass jedes 5. Kind in armen und ärmeren Verhältnissen aufwachsen muss, ich will nicht hinnehmen, dass unsere Lebensweise Menschen und ganze Regionen ausbeutet, verwüstet, kolonialisiert. Der eine fährt zur Abmagerungskur und die anderen verhungern. Ich will nicht hinnehmen, dass wir an Kriegen teilnehmen, rüsten und Rüstung exportieren. Waffen sind nicht zum Drohen da, sie werden benutzt. Ich will nicht hinnehmen, dass wir ausgrenzen, diskriminieren, stigmatisieren, ich will mich empören, will die Dinge gemeinsam mit euch, mit einer starken Fraktion in Sachsen ändern und strebe darum in die politische Verantwortung, bewerbe mich bei euch um eure Stimme. Wir sind die Partei der neuen Ideen, der Vision für eine gerechte, solidarische, gemeinschaftliche, nachhaltige Gesellschaft, wir sind die Partei der Menschen. Also ran, ran an die Menschen, ran, begeistern wir sie, indem wir selbst begeistert sind.

Vielen Dank.

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